nunc feriae sunt

Kurz vorm Austeilen der Zeugnisse. Ich halte vor meiner Klasse eine feierliche Rede (oder das, was ich für feierlich halte) und ende mit den Worten: “Ihr seid eine tolle, lustige und fröhliche Gruppe. Macht weiter so und werdet noch besser.” Weil in meiner Klasse nichts unhinterfragt stehenbleiben kann, murrte es in der ersten Reihe: “Nie sagen Sie, wir sind eine kluge, intelligente und wohlerzogene Klasse.” Ich stelle die Gegenfrage: “Würdet ihr mir das denn glauben?” 25 Kinder rufen “Neeeein, türlich nich!” Ich habe diese Transparenz im Lauf der letzten 12 Monate sehr zu schätzen gelernt.

Populärliterarische Erkenntnisse

Großstadtlyrik ist ein beliebtes Thema vieler Schulbücher für 8. und 9. Klassen. Großstädte sind ein beliebtes Motiv für zeitgenössische Popsongs. Und viele von ihnen nutzen sehr unabgegriffene sprachliche Bilder. Was liegt näher, als Seeed, Peter Fox und Co. in den Unterricht zu holen? Heute dann, bei der Ergebnispräsentation: “Also, der Seeed, ne, der hat ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Berlin.” Frau Montag: “Jaa, kann man so sagen. Woran machst du das im Text fest?” Schüler: “Na ja, er personifika, ähm personifiziert ja Berlin, er sagt ja immer ‘Mama Berlin’. Und zu seiner Mutter, ne, da hat man ja auch meist ein etwas gespaltenes Verhältnis.” They are so cute 🙂 

Küchengeschichten

Am Tag, bevor ich richtig krank wurde, haben wir einen Küchenladen besucht. In einem Küchenladen gefühlt einen Tag verbracht trifft die Sache besser. Die erste selbst gekaufte Küche will wohlüberlegt sein, und Küchenkauf, wenn ich ihn bei Freunden beobachtet habe, gleicht dem Kauf von zwanzig Perlhühnern auf dem türkischen Bazar. Der Küchenhändler hatte am Ende des langen Tages versprochen, irgendwann mit einem Preisvorschlag anzurufen. Gestern klingelte das Telefon. Nach einer Exposition seinerseits, die sich auf Mandelentzündungen, vereiterte Nasennebenhöhlen u.ä. auszuweiten drohte, nannte ich meine Preisvorstellung und hörte. Nichts. Danach dann ein großes Aber, tiefes Luftholen und eine Lobeshymne der für uns zusammengestellten Produktpalette. Rechtfertigung des hohen Preises. “Und, liebe Frau Sonntag, vergessen Sie nicht, Sie haben dann einen Paralyseofen.” Irritation meinerseits. Pfui, so was will ich nicht. Dahin komme ich irgendwann vermutlich auch ganz ohne Backofen.

Bolschewistische Gräueltaten

Skype-Protokoll:
Frau Sonntag: “Lenin hat der Maus den Kopf und eine Pfote abgebissen und den Darm seziert. Beides lag vor der Fußmatte. Voll das Massaker.”
Herr Sonntag: Fünfminütiges Schweigen. “Wieviel Fieber hast du noch?”
Frau Sonntag: Schweigt. Überlegt. Liest nach. Stellt fest, dass sie die Namen vom Hauskater und ziegenbärtigem russischen Revolutionär verwechselt hat. Kranksein und Klausurkorrektur verträgt sich nicht. Am Ende steht der Name der Katze im Erwartungshorizont und im Garten wird die Oktoberrevolution ausgerufen.